Allerheiligen:   
Unterwegs    

Allerheiligen und Allerseelen sind zwei Tage, die leicht miteinander verwechselt werden. Weil bei uns Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag ist, Allerseelen dagegen nicht, wird meist die Allerseelenandacht mit dem Gräberbesuch am Nachmittag des Allerheiligentages abgehalten, in nicht wenigen Gemeinden auch dann, wenn der Allerseelentag auf einen Sonntag fällt und von daher der Besuch der Gräber am Nachmittag dieses Tages möglich wäre. So schnell wird aus einer aus praktischen Erwägungen getroffenen Notlösung die Regel. Dabei sind beide Tage so unterschiedlich wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.
Allerheiligen erinnert an die Menschen, die – wie es die Präfation des Tages sagt – schon zur Vollendung gelangt sind. Und ein ganz wichtiger Inhalt dieses Tages ist der Gedanke, dass zu den Heiligen des Himmels weit mehr Menschen gehören als nur jene, die die Kirche offiziell heiliggesprochen hat. Besonders die Heiligen des Alltags, die, ohne großes Aufsehen erregt zu haben, dem Ruf des Evangeliums gefolgt sind und als Mutter, als Vater, Ehemann oder Ehefrau, als Ordensbruder oder Ordensschwester, als ledige Frau oder alleinstehender Mann in ihrer je eigenen Lebenssituation den Weg des Glaubens gegangen sind.
Der Allerseelentag dagegen ruft die konkrete Erinnerung an unsere Verstorbenen wach, deren Lebensumstände wir noch kennen und deren Lebensheil wir im Gebet der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen. Die Grablichter, die wir entzünden, sollen Gott bildlich erinnern, dass auch sie etwas Licht in die Welt gebracht haben, und sei es nur, um den Weg des Glaubens immer wieder neu zu finden. Aber dieses Licht ist ausgestrahlt nach rechts und links und hat so die oft dunkle Welt etwas aufgehellt. Darin sind sie den großen Heiligen ähnlich. Danken wir Gott für jeden Menschen, der und die etwas Licht in die Welt gebracht hat.


(C) 2003 Heribert Ester